Techniken


Ein paar Worte zu von mir verwendeten Arbeitsweisen. Wie für alles hier gesagte gilt: caveat lector, alles ohne Gewähr. Kann sein, dass es bei euch so nicht klappt, dass es um Längen bessere Techniken gibt, dass "man" etwas so eigentlich gerade nicht machen sollte.




Leder reinigen und pflegen

Pflanzlich gegerbtes Leder enthält ganz grob zwischen 10 und 15% Wasser, und je nach Art und Bearbeitung nach dem Gerben 2 - 10% Fett, speziell fettbehandelte Leder 10 - 15%. Äußere Umstände wie zu trockene oder feuchte Luft, mechanische Beanspruchung, Sonnenlicht (UV-Anteil), Verunreinigungen, mangelnde Belüftung und so weiter können diese Anteile soweit verringern oder vergrössern (zuviel Wasser oder Fett kann auch problematisch werden), dass das Leder leidet. Brüchiges, sprödes, schimmelndes oder muffig riechendes Leder können die Konsequenz sein.

Wichtig ist meiner Meinung nach, immer das ganze Lederstück oder ein fest umrissenes Teilstück zu behandeln, zu wässern oder zu fetten, damit für den Fall einer leichten Farbänderung (zu trockenes Leder wird im Allgemeinen heller) keine unschönen Ränder zurückbleiben.

Ist das Lederstück einfach nur etwas dreckig oder trocken, spröde, kann ein komplettes Reinigungsbad in lauwarmen aber nicht heissem Wasser helfen. Wer zu hartes Wasser in der Leitung hat, sollte es möglichst vorher enthärten, gleich Regenwasser nehmen oder auf destilliertes Wasser zurückgreifen. Zur Reinigung kann dann ph-neutrales Shampoo (keine Seife), Sattel- oder Lederseife oder Essig dem Wasser zugegeben werden, Hauptsache, das Reinigungsmittel entfettet nicht allzu stark, oder wirkt sogar rückfettend. Am besten mit einem weichen Schwamm oder den Händen reinigen, keine Bürsten, keine Scotch-Brites oder ähnliches.

Nach dem Reinigen dann gut abwischen oder bei Rauledern abtupfen und, ganz wichtig, langsam trocknen lassen. Keine Heizung, kein direktes Sonnenbad, einfach in einem normal warmen und belüfteten Zimmer ein bis zwei Tage liegen oder hängen lassen, im Winter nicht in der Nähe von Heizungen (Fußbodenheizungen ausgenommen). In Hohlräume (Taschen, Schuhe etc.) am besten saugfähiges Material wie Zeitungspapier oder Küchenpapier stopfen und gegebenenfalls täglich tauschen.

Die Festigkeit des Leders resultiert unter anderem aus der Verschlingung etlicher Lederfasern, die durch die Wässerung gelockert und "entflochten" wurde und beim Trocknen die Möglichkeit haben müssen, wieder die originale Verschlingung aufzubauen.

Muss nach dem Trocknen der Fettanteil des Leders wieder aufgestockt werden, kann man zu Ölen, Fetten oder Wachs greifen, empfehlen würde ich eine Mischung aller drei Inhaltsstoffe, sogenannte Lederbalsame. Diese sind im Allgemeinen leicht rückfettend, enthalten natürliche Fette (Wollfett), Wachse (Bienenwachs, Carnaubawachs) und ebenfalls natürliche Öle (Rizinusöl). Ich verwende hauptsächlich

  • B&E Bienenwachs-Leder-Balsam der Bense & Eicke GmbH & Co.KG
  • Leder-Balsame von Tapir
  • B&E Brilliant Leder-Öl

Eine weitere Möglichkeit, Glatteder zu reinigen und gleichzeitig aufzufrischen wäre eine Mischung von jeweils einem Teil Essig, Leinöl und Wasser, zu einer Emulsion aufgeschlagen. Zuerst groben Dreck mit einer weichen Bürste entfernen, dann das Leder sanft mehrfach mit der Emulsion einreiben, abwischen und trocknen lassen. Der Essig desinfiziert und reinigt, Leinöl und Wasser bauen das Leder wieder etwas auf.

Die Reinigung von Rau- oder sehr offenporigen Ledern (Büffel) ist leider etwas anspruchsvoller, da man nicht direkt nachfetten kann, ohne die raue Oberfläche mit fettende Mittel zu verschliessen. Groben und leichten Dreck entferne ich mit nicht allzu weichen Naturfaserbürsten. Ist der Schmutz schon eingezogen, hilft meines Erachtens nur eine Reinigung mit speziellem, nachfettenden und imprägnierendem Schaum.




Leder nähen

Wie eingangs erwähnt, nähe ich nur mit der Hand und ausschließlich mit Leinengarn. Den Nahtverlauf markiere ich vor vor dem Lochen, oder ziehe mit einem Nahtversenker eine Rille in gleichmässigem Abstand zum Rand.

Brauche ich keine wasserdichten Nähte, schlage ich die Löcher mit Prickeisen in das Leder. Die von mir verwendeten Prickeisen schneiden diamantförmige Löcher, wahrscheinlich gibt es auch andere. Diese kleinen Schnitte bleiben auch nach dem Nähen bestehen, und verhindern, dass die Naht komplett wasserdicht ist.

Will ich wasserfeste Nähte haben, markiere ich die Naht mit dem Prickrad, und steche die Löcher einzeln mit der Rundahle. Da diese die Fasern nicht schneidet, sondern um das Loch herum wegdrückt, kann sich das Leder nach dem Festziehen wieder langsam ausdehnen und den doppelten Faden der Sattlernaht fest umschließen. Wurde der Faden vor dem Nähen und wird die Naht nach dem Nähen ordentlich gewachst, kann solch eine Naht für lange Zeit wasserdicht bleiben.


Bienenwachs-Öl-Block für Wachsen des Fadens

Meist benötige ich zum Nähen einen Faden mit den stumpfen Sattlernadeln an beiden Enden. Ist der Faden nicht schon gewachst, ziehe ich ihn mehrmals in voller Länge durch Bienenwachs, genauer durch eine Mischung von ca. 80% Bienenwachs und 20% Leinöl, ist etwas geschmeidiger. Für Sattlernähte benötige ich einen Faden etwa 4 mal so lang wie die eigentliche Naht plus jeweils etwa 20cm Zugabe an beiden Enden. Leder dicker als 5mm braucht mehr Faden, dünner als 2mm entsprechend weniger.

Ein Leinenzwirnfaden mit Sattlernadeln an beiden Enden

Dann ein Fadenende in eine Nadel fädeln, den Faden mit der Nadel etwa 2cm vor dem Ende durchstossen, dieses Fadenende über das Öhr nach unten, und die enstandene Schlinge am Faden eng ziehen. Danach am Öhr beide Stränge etwas verdrillen. Sollte sich die Nadel beim Nähen vom Faden lösen, einfach das Fadenende neu verdrillen, etwas wachsen und wie oben beschrieben die Nadel neu befestigen.

Der Sattlerstich dann erklärt sich von selbst: eine Nadel durch das erste Loch, beide Nadeln auf gleiche Fadenlänge ziehen, dann eine Nadel durch das nächste Loch und gleich darauf die andere Nadel von der anderen Seite durch das selbe Loch, so dass sich der Faden im Loch kreuzt. Man kann auch beide Fäden im Loch zu einem halben Knoten verschlingen, für die Stabilität der Naht spielt das eine eher untergeordnete Rolle. Man sollte auf jeden Fall bei einem einmal gewählten Ablauf bleiben, damit die Nähte gleichmässig aussehen. Ich kann bei meinen alten Nähten noch heute sehen, wo ich nicht darauf geachtet habe.


Warum wird dieser Stich überall ständig betont? Ganz einfach: er ist um Längen stabiler als Maschinennähte. Beim maschinellen Nähen bleibt der Oberfaden immer oben, der Unterfaden immer unten, beide werden einfach im Loch miteinander einmal verschlungen. Reisst nun einer der beiden Fäden, braucht es nur eine leichte Kraft, diesen Faden mit einem Ruck über die Länge der Naht abzureissen, und damit die Naht zu öffnen. Beim Sattlerstich jedoch gibt es keine Ober- und Unterfaden, beide Fäden wechseln in jedem Loch die Nahtseite. Reisst ein Faden bei dieser Naht, wird er im nächsten Loch oder dem darauf folgenden durch die weit höhere Reibung festgehalten. Ein Sattlernaht zu lösen, geht prinzipiell nur durch das Zerschneiden aller Fäden zwischen beiden Lederteilen.


Nahtarten: Stoßnaht, Kappnaht, ...

Stichtypen: Kreuzstich, Parallelstich, Baseballstich, ...




Leder nieten

jaja, kommt noch... Hohlniete, Vollniete, usw.




Leder formen

kommt später...




Leder färben

nicht drängeln jetze...




Leder härten

"Gekochtes Leder", französisch cuir bouilli: Leder in Wasser gekocht und dann unter hoher Krafteinwirkung in Form gepresst. Hatte ich vor Jahren einmal ausprobiert: wird insbesondere durch anschließendes Verdichten (wie Blech um eine Form dengeln) tatsächlich härter, getrocknet dann allerdings auch weit spröder, bis hin zum Brechen unter Belastung.

Ein anderer Test war etwas erfolgreicher: Bienenwachs mit etwas Öl erhitzen (60-90°C) und das Lederstück darin eine Zeit lang getaucht liegen lassen, abtropfen, abwischen und auskühlen lassen. Ein derart gehärtetes Lederstück hielt tatsächlich etwas mehr aus, allerdings nur stumpfe Einwirkung, mit spitzen Gegenständen war das Leder noch immer relativ leicht zu penetrieren.



Kurzer Versuch mit ungehärtetem Leder: 1,5cm dick aus fünf Schichten verschiedener Sorten & ein gut geschärfter Dolch. Um alle Schichten komplett zu durchbohren brauchte ich eine Kraft, die auf einer untergelegten Waage etwa 45kg anzeigen ließ. Also: 45kg Masse entspricht einer Gewichtskraft von ca. 440N (Newton), der Weg durch Leder 0,015m, also aufgebrachte Energie ca. 6,6Nm (Newtonmeter) = 6,6J (Joule). Das ist nicht viel, laut Wikipedia im Rahmen der Mündungsenergie eines Luftgewehr-Geschosses (ca. 4-7J).

Das Ergebnis: gegen einen direkten Stoß eines Schwertes, Bajonetts oder gar Speers hilft sowas nix. Dann lieber doch 1,5mm dicker, gehärteter Stahl oder gleich Kevlar, dort liegt die benötigte Energie wahrscheinlich im einstelligen Kilojoule-Bereich.

Kurzum: ich härte kein Leder, das lohnt sich nicht. Wer Schutz benötigt (zum Beispiel Armschutz für Schmiede, Körperschutz für Schweisser), braucht einfach dickes und robustes Leder.

Letzte Änderung: $Date: 2021-06-01 08:33:18 +0200 (Di, 01 Jun 2021) $