Eine kurze Übersicht über von mir verwendete Lederwerkzeuge


Der Großteil der hier gezeigten Werkzeuge kommt aus dem Leder-, teils aus dem Textil-Fachhandel. Bei Fragen empfehle ich einfach, im jeweiligen Shop anzurufen, denn das ist ein Vorteil des Fachhandels: die Leute wissen, was genau man mit dem Werkzeugen machen kann, und was eben nicht. Wer zum Beispiel mit einer billigen Schere aus einem grossen Online-Kaufhaus 3,5mm starkes Blankleder schneiden will, wird schon nach kurzer Zeit einen gepflegten Amoklauf in Erwägung ziehen..




Nadeln

Häufig werden sogenannte "Ledernadeln" angeboten, die eine geschärfte zwei- oder dreikantige Spitze haben und damit leichter durch das Leder schneiden können sollen. Wer wie ich hauptsächlich mit dickerem Leder und dem Sattlerstich arbeitet, kann mit solchen Nadeln wenig anfangen. Wenn der zweite Faden durch eben dasselbe Loch geführt wird, durch das vorher schon der erste Faden läuft, zerschneidet man natürlich mit einer scharfen Spitze diesen ersten Faden. Daher verwende ich ausschließlich stumpfe Sattlernadeln.

Die Stärke der Nadeln mache ich einfach abhängig davon, ob das verwendete Garn, meist Leinenzwirn, durch das Öhr passt. Irgendwann vielleicht besorge ich mir eine Leder-Nähmaschine, es sollte dann aber auch ein älteres Modell sein, wie die Singer 29K1, die ich mal hatte, die aber nie wirklich funktionierte.




Leder-Schneidwerkzeuge

Wichtig bei allen Schneidwerkzeugen ist in erster Linie natürlich ihre Schärfe, aber auch gerade bei Verarbeitung stärkerer Leder eine gewisse Stabilität, um auch durch mehrere Schichten gleichzeitig sauber schneiden zu können.

Dasselbe gilt für Scheren: 1 bis 1,5mm dünne Leder können notfalls auch mit einer (guten!) Textilschere geschnitten werden, ab 2mm Dicke wird das aber nix mehr. Die zwei Scheren hier schneiden durch sämtliche Lederstärken, mit der Bodenlederschere schneide ich auch durch 6mm Geschirrleder wie durch Butter. Harte Butter, zugegeben.


Als Riemenschneider (Gürtelschneider) reichte mir die preiswerte Holz-Variante. Gleich an Ersatzklingen denken! Man stellt die gewünschte Breite des Gurtes ein, und zieht am Griff den Riemenschneider nicht zu langsam und gleichmäßig durch das Lederstück. Das Halbmondmesser nutze ich nicht sehr oft, ist für freihändig geschnittene Rundungen verschiedener Radien, zum Ausschärfen von Lederkanten und auch gerade Schnitte gedacht.

Für sehr enge Radien um Formen herum fällt meine Wahl eher auf das Sattlermesser, ansonsten sind die Cuttermesser meine erste Wahl, da eine stumpfe Schneide schnell weggebrochen werden kann. Mit dem Rundmesser kann man gut an Kanten entlang gerade und sauber durchgehende Schnitte machen, Kurvenschnitte gehen meiner Meinung nach damit nicht wirklich.


Ein Rotationsmesser ist perfekt für lange, gerade Schnitte entlang einer Schiene, das geht schneller als mit allen anderen Messern. Wie die Bodenlederschere kommt das Rotationsmesser auch durch Lederstärken bis knapp 8mm. Empfehlenswert beim Zuschnitt grossformatiger Lederstücke.




Spezielle Lederwerkzeuge

Zur Erstausrüstung gehörten natürlich Nähahle und Lochzange. Ein Schraubheft hat den Vorteil, die Ahlen schnell wechseln zu können: Rundahlen (Loch stechen), Schwertahlen (Loch schneiden), gerade oder gebogen. Bei der Lochzange reicht ein preiswertes (kein billiges) Modell; auch Knipex hat welche im Angebot. Man sollte höchstens drauf achten, dass die einzelnen Lochpfeiffen auswechselbar sind.



Dort, wo man mit der Lochzange nicht mehr hin kann, die Lochdurchmesser nicht mehr passen, oder die Materialstärke zu gross wird, kommen Locheisen ins Spiel. Für kleine Euros gibt es schon gute Sets. Langlöcher sind dort von Vorteil, wo Schnallen verbaut sind. Lederhobel sind sehr nützlich, wenn zwei zu verbindende Lederstücke etwas ausgedünnt, oder Ränder ausgeschärft werden müssen. Für eine Ausdünnung großflächiger Lederteile sind diese eher kleinen Hobel allerdings ungeeignet, sowas erfordert eine Lederspaltmaschine. Oder das Leder gleich in der gewünschten Stärke besorgen.



Der Nähkloben kann sehr nützlich sein, wenn auch dicke Leder mit geraden Handnähten per Sattlerstich vernäht werden sollen. Einfach die zu vernähenden Stücke in die Backen einspannen, sich auf das Holzbrett setzen, in jeder Hand eine Nadel (ich halte zwischen den Fingern immer noch die Ahle zum Vorstechen), sich ein Stichschema aneignen (welcher Faden über welchen, ob mit oder ohne Verknotung im Loch usw.), das Schema beibehalten und loslegen.

Nahtversenker und -Markierer werden meist direkt nacheinander verwendet: erst parallel zur Lederkante eine Rille ziehen (sozusagen eine Nut ausheben) und dann mit dem Prickrad die Rille abfahrend die Stiche markieren. Eine Alternative wären Prickeisen, die gleich richtige Löcher schneiden. Mit Kantenziehern kann man Lederkanten vor dem Versiegeln etwas anfasen. Das Falzbein nutze ich, um Knicke oder Faltungen schonend nach zu pressen.



Prickeisen gibt es in Sets mit 1, 2, 4 und 6 Zinken und Abständen zwischen 3 und (selten) 8mm, entweder mit runden oder diamantförmigen Zinken. Sinnvoll, um Nahtlöcher durch mehrere Lederschichten hindurch vorzulochen. Die Schlageisen gibt es einzeln als auch im Set, waren für mich erste Wahl vor Zangen oder Spindeln, da man mit den Eisen überall Niete, Druckknöpfe oder Ösen setzen kann, nicht nur am Rand.

Das Punzier-Set habe ich noch wenig gebraucht, da die Ergebnisse bisher reichlich unbefriedigend aussahen. Offenbar fehlt mir dazu die künstlerische Ader. Den Schuhmacher-Dreifuß habe ich für drei Euro auf dem Flohmarkt erstanden, entrostet, grundiert und mit Hammerschlag Grün lackiert. Kann sowohl zum Nähen als auch als Amboß benutzt werden.




Lineale

Für den Zuschnitt brauche ich in erster Linie stabile Stahllineale verschiedener Länge, um mit verschiedenen Messern saubere Kanten zu schneiden. Die Stahlwinkel (5mm stark) sind zusätzlich so schwer, dass sie Faltenbildung beim Schneiden insbesondere bei dünnen Ledern unterbinden.



Die Kreisschablone kann ich zum Schneiden von Leder eigentlich nicht empfehlen, die Innenkreise kann man selbst mit schärfsten Klingen kaum sauber ausschneiden (ausstanzen ist immer besser). Bestenfalls kann man damit Kreise oder Kreissegmente anzeichnen. Nicht unterschätzen sollte man Geo-Dreiecke, insbesondere für exakte Winkel.




Hämmer

Das Thema Hämmer ist relativ schnell abgehandelt: Metalle wie Hohlniete mit einem leichten Eisenhammer, das Leder direkt (zum Beispiel zum Kleben) mit einem Holzhammer, feinere und dosiertere Schläge mit Hämmern mit Nylon-Köpfen wie etwa Schonhämmern oder Punzierhämmern.





Verschiedenes

Der Vornschneider ist im Prinzip eine Kneifzange, die fast bündig mit einer Oberfläche abschneiden kann. Hatte ich mir hauptsächlich zum Abschneiden von Vollniete zugelegt. Einen Seitenschneider hat wohl jeder in der Werkzeugkiste, wenn nicht, sollte man sich wie immer weder den preiswertesten noch den teuersten zulegen. Mittelpreisige Seitenschneider bieten gut gehärtete Schneiden, die auch mal das Durchkneifen einer kleinen Spax verzeihen, und wirklich fest sitzende und insbesondere gut in der Hand liegende Griffschalen.



Der Nagelheber hebt Nägel. Falls jemand doch fragen sollte.

Letzte Änderung: $Date: 2021-05-31 16:41:46 +0200 (Mo, 31 Mai 2021) $