Grosse Jagdtasche aus Sofaleder 2019 - 2021


work in progress

Ein Bekannter, der in seiner Freizeit jagt, kam 2019 auf mich zu mit der Frage, ob ich ihm nicht eine schöne große, robuste Jagdtasche nähen könnte, er hätte sogar noch ein paar Lederreste zum Vernähen, genauer herausgeschnittene Sitzflächen eines ehemaligen braunen Ledersofas. Dazu noch eine halbe Haut grünen Spaltleders aus einem Jahre zurückliegenden Spanienurlaub. Klang ganz interessant, da sollte etwas brauchbares bei rumkommen.

Das Sofaleder war großteils leicht dreckig oder speckig, zum Teil durchgesessen oder durchgescheuert. Also wurde erstmal vorsortiert und Unbrauchbares entsorgt. Brauchbare Stücke habe ich in der Badewanne sanft gereinigt, langsam getrocknet und zum Auffrischen etwas eingefettet. Nach diesem Vorbehandeln befand ich, dass das Leder zu dünn und labil für einen halbwegs robusten Einsatz war, und entschloß mich, alle mit diesem Leder hergestellten Taschenteile zu doppeln, also immer zwei identische Teile zuzuschneiden und mit der Fleischseite aufeinander zu kleben. Bei etwas grösseren Teilen wurden beide Hälften zusätzlich am Rand vernäht. Alle Sitzflächen wiesen verschiedene Größen und verschiedene Abnutzungsgrade auf, daher war von vornherein klar, dass es neben Farbunterschieden auch zu "gestückelten" Taschenteilen kommen musste.







Die Tasche sollte relativ groß werden, Innenmaße etwa 45x34cm, ca. 14cm tief. Ein schmales Fach für eine große Thermoskanne, ein zweites Fach mit der Option, dort einen Fachtrenner einzusetzen. Vorn hatte ich mich für drei Vordertaschen entschieden. Innen sowie an den Seiten sollten Gurthalter eingenietet werden, an denen abnehmbare Taschen, Revolverhalter, Patronengurte oder sonstiges befestigt werden können. Der Taschendeckel wird an den drei Vordertaschen mit Riemen verschlossen. An Vorder- und Rückseite der Tasche sollten genügend Laschen mit D-Ringen vorgesehen werden, entweder um etwas zusätzlich unter die Tasche zu hängen (eingerollte Decke für den Ansitz, Hühnergalgen, Netz für Hasen, was weiss ich), oder um die Tasche selbst im Fahrzeug oder auf dem Hochsitz fest zu schnüren.







Das grüne Spaltleder war weit robuster als das Sofaleder, trotzdem habe ich wiederum aus Stabilitätsgründen alle Teile aus diesem Leder ebenfalls gedoppelt, also aufeinander geklebt. Wenn für grosse Teile nicht genug Leder vorhanden war, um einen gewissen Robustheitsgrad zu erreichen, habe ich anderes Leder ale Mittelschicht eingeklebt und vernäht.

Dieses Leder sollte grösstenteils im Inneren der Tasche Verwendung finden, da es quasi als "Wildleder" (sehr irreführende Bezeichnung!) eine sehr angenehme Haptik aufweist. An einigen Stellen aber habe ich es auch außen verwendet, um einen netten Kontrast zum braunen Glattleder zu erzeugen. Zwar wäre das Spaltleder einlagig nicht sehr wasserfest, durch das Verkleben in zwei Lagen bietet es doch eine gewisse Dichtigkeit, nicht für Stunden, aber mal eben einen Regenguss oder kurze Zeit kopfüber in einer Pfütze liegend müsste das gedoppelte Leder dicht bleiben.







Ich klebe (hier beschrieben) Leder ausschließlich mit dem Lederkleber "Kövulfix", der beidseitig aufgetragen wird und dann 15-30 Minuten ablüften muss. Danach werden beide Hälften unter kurzem, hohen Druck aufeinander gepresst, meist hämmere ich beide Hälften mit einem Holzhammer zusammen (beidseitig dünne Lederreste als Schutz), bei kleineren Teilen verpresse ich es im Schraubstock.

Schon nach ein paar Wochen sah ich ein, dass diese Tasche keinesfalls in einem Monat, wahrscheinlich nicht einmal in einem Jahr fertig sein würde. Das reine Gewicht der Lederteile vor dem ersten Nadelstich betrug etwa 4,5kg, als Handtäschchen für Mädchengeburtstage offenbar etwas oversized.














Fortsetzung folgt...


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Letzte Änderung: $Date: 2021-05-31 16:41:46 +0200 (Mo, 31 Mai 2021) $